Seminare
Gruppen
Texte
Literatur
Links
Persönliches
Kontakt

Liber X-Transform



0. Systemunabhängige Praxis für die Transformation der sexuellen Energie und die Aktivierung des Zentralkanals.

1. Visualisiere den Zentralkanal wie einen schwarzen Schlauch, nicht dicker als der kleine Finger, pulsierend und lebendig, innen leer. Verlauf untern bei Männern: Eichel, Penis, vom Perineum schräg nach oben/hinten. Verlauf unten bei Frauen: Kitzler, Vagina, Muttermund, schräg nach oben/hinten. Weiterer Verlauf bei Männern und Frauen: vor der Vorderseite der Wirbelsäule nach oben, tritt am Ende der Wirbelsäule in den Schädel ein und endet im Inneren des Schädels (der Zentralkanal wird hier VOR, nicht IN der Wirbelsäule angenommen, letzteres wäre das Kundalini-System, welches anders funktioniert).

2. Die Annahme einer Gottform ist nicht erforderlich, die Übung kann aber während der Annahme einer beliebigen männlichen oder weiblichen Gottform ausgeführt werden.

3. Position beliebig, Sitzen oder Stehen, Rückgrat gerade (in natürlicher S-Biegung, bei Stehposition Becken nach vorne bewegen wie bei der "Berghaltung " des Hatha-Yoga). Bei den Übungsvariationen mit Atmung keine beengende Kleidung, Gürtel auf. Nackheit ist unterstützend. Positionen mit gegrätschten Beinen (auch im Stehen) sind unterstützend.

4. Variation ohne spezielle Atmung (kann ohne Vorbereitung überall ausgeführt werden): Visualisiere, dass deine sexuelle Energie in Form leuchtender Flüssigkeit (Männer weiss, Frauen rot) in den Zentralkanal eintritt, als hätte dieser ein poröses saugendes unteres Ende, welches noch in weitere Verästelungen führt. Bei Männern kommt die Energie aus Penis, Hoden, Wurzelchakra (am Perineum) und Anus. Bei Frauen kommt die Energie aus Kitzler, inneren Schamlippen, Vagina/Muttermund, Wurzelchakra und Anus. Visualisiere, dass die Energie allmählich von unten den ganzen Zentralkanal anfüllt. Die Energie vibriert am Schluss im ganzen Zentralkanal, sie strömt immer leicht nach oben. Wenn man die Übung schon länger macht, visualisiert man, das die Flüssigkeit am oberen Ende des Kanals im Inneren des Kopfes austritt und sich verteilt, aber zunächst ist die Füllung des ganzen Zentralkanals notwendig.

5. Variation mit Atmung: langsame, tiefe und vollständige Atmung durch die Nasenlöcher. Während der Einatmung wird die Energie von unten nach oben gezogen, zunächst nur bis zum Nabelchakra, dann im Verlauf der Übung allmählich immer höher bis zum Kopf. Beim Ausatmen wird die strömende Energie nur im Zentralkanal gehalten, eventuell mit gleichzeitigem Ausströmen und Verteilen im Inneren des Kopfes.

6. Variation mit Atmung und Anhaltung: Wie 5., jedoch wir nach dem Einatmen der Atem angehalten. Nicht pressen, nicht anspannen, radikale Verlängerung der angehaltenen Zeit nicht notwendig. Die Energie wird während der Anhaltung leicht nach oben strömend im Zentralkanal gehalten und im Verlauf der Übung immer höher bis zum Kopf, Ausatmung wie in 5.

7. Alle Variationen 4., 5. und 6. werden langsam gesteigert, man führt die Energie zunächst nur bis zum Nabelchakra, dann allmählich immer höher bis zum Kopf. Bei einer täglichen halb- oder ganzstündigen Übungszeit dauert es einige Monate, bis man bis zum Kopf kommt. Dann kann man im Verlauf einer Sitzung die Energie zunächst nur bis zum Nabelchakra, dann immer höher ziehen.

8. Alle Variationen 4., 5. und 6. können vor, während oder nach einer sexuellen Aktivität ausgeführt werden. Wenn die sexuelle Transformation kein anderes Ziel aufweist, dann sollte jede sexuelle Aktivität mit der Ausführung von 4. oder 5. einhergehen, um die Resultate der Übung zu erhalten. Die Natur der sexuellen Aktivität spielt dabei keine Rolle.

9. Der Erfolg der Übung wird gefördert, wenn der Mann auf Ejakulation bzw. die Frau auf den Abgang des sexuellen Sekrets verzichtet. bzw. die Häufigkeit von Ejakulation/Sekretabgang reduziert wird. Das Erlangen der Resultate der Übung ist nicht durch einen einzigen Orgasmus gefährdet. (Man vergesse an dieser Stelle alles, was den Verlust des Samens mit dem Verlust von Siddhis gleichsetzt). Es geht darum, den gewöhnlichen Fluss der sexuellen Energie Richtung Entladung anzuhalten, umzukehren und dabei gleichzeitig den Zentralkanal mit Gewahrsein zu erfüllen. Es handelt sich nicht um eine Art Opfer, Verzicht oder Askese. Es ist sogar möglich, eine andere Art von orgasmischer Erfahrung zu haben, ohne dass das Sekret nach außen geht (auch bei Männern ist das möglich). Unter Sekret wird bei Frauen nicht die Gleitflüssigkeit verstanden, welche die Vagina feucht hält, sondern die Flüssigkeit, die beim Orgasmus austritt. Im Zusammenhang mit erotisch-therapeutischem Tantra werden ähnliche Techniken gelehrt, um die Zeit der Vereinigung zu verlängern und das Erleben zu intensivieren, am Schluss lässt man aber meistens einen Orgasmus zu, wodurch die aufgebaute Energie sinnlos verpufft und das Gewahrsein in Erschöpfung übergeht. Im ursprünglichem hinduistischen und buddhistischem sexuellen Tantra hingegen wird Anhalten und Umkehr oft über lange Zeiträume geübt, ohne dass ein normaler Orgasmus in dieser Zeit zugelassen wird. Das verloren gegangene Geheimnis der Forderung nach Enthaltsamkeit in vielen mystischen und magischen Lehren ist genau dieses: Man enthält sich nicht der liebenden erotischen Vereinigung, sondern man übt in der Vereinigung Anhalten und Umkehr. Es ist wichtig, daraus keinen Krampf oder Kult zu machen, bei richtiger Durchführung wird die mit Anhalten und Umkehr verbundene sexuelle Aktivität von beiden Beteiligten als beglückend und bereichernd empfunden. Es gibt viele individuelle Gegebenheiten, die chinesischen taoistischen Schriften, welche ebenfalls die Praxis von Anhalten und Umkehr empfehlen, behaupten zum Beispiel, dass Männer mit fortschreitendem Alter immer seltener ejakulieren sollten, in hohem Alter überhaupt nicht mehr, um die Lebenskraft zu bewahren. Die Übenden sollten eigene Versuche anstellen und nicht auf die Autorität von Schriften vertrauen. Sollte als Abschluss sexueller Aktivität ein Orgasmus angestrebt werden, so kann die Energie auf andere Weise magisch genutzt werden, aber das ist nicht Gegenstand dieser Instruktion.

10. Die Übung sollte bei dreimonatiger Durchführung (30-60 Minuten täglich, eher mehrere kurze Sitzung statt einer langen) bereits spürbare Wirkungen zeigen. Längere Übungszeiten und längere Perioden von Anhalten und Umkehr können erforscht werden. Folgen der Übung sind eine Vermehrung der Lebenskraft, ein frisches und jüngeres Aussehen trotz fortgeschrittenen Alters, mehr Energie für Meditation und Ritual, letztlich führt die Übung zur Erlangung von Siddhis. Bei Männern verbessert sich häufig Potenz und Ausdauer im Liebesspiel. Vor Übertreibungen, speziell vor immer längeren Atem-Anhaltungen und immer längeren Meditationsperioden mit Atemanhaltungen sei ausdrücklich gewarnt. Die Effekte können nicht durch Anstrengungen beschleunigt werden.

11. Atemübungen erfordern einen (fast) leeren Magen. Zur Einleitung kann man Übungen zur Reinigung des Energiesystems machen, es gibt dazu buddhistische und hinduistische Variationen.

12. Körpertraining wie Hatha-Yoga oder irgend eine Art regelmäßiger Bewegung oder Sport sind für die Übung erforderlich. Das Körpergewahrsein ist die Basis des Gewahrseins für den Zentralkanal und für die erotische Erfüllung, das Gewahrsein im Zentralkanal ist die Basis für das Gewahrsein des Bewusstseins an sich, in vielen Systemen im Herzchakra angenommen, dem Mittelpunkt des Zentralkanals in der Vertikalen.

13. Die Übung erfordert keine speziellen Einweihungen oder Vorbereitungen, sie ist besonders für Beginner auf den magischen und tantrischen Pfaden gedacht - eine Methode, die sexuelle Energie zu transformieren wird von Anfang an benötigt und stellt den Schlüssel zu vielen Fähigkeiten dar.

14. Diese Übung beruht auf einer Kombination von buddhistischen und hinduistischen Quellen sowie von im erotisch-therapeutischen Tantra gebräuchlichen Methoden. Sie ist bewusst unabhängig von einer Verbindung mit einer Entität, solche Verbindungen können bei Bedarf geknüpft werden, etwa im Lauf einer tantrischen Vereinigung, in welcher das Paar ein Paar von Gottheiten spiegelt oder als Vollendungsphase eines Gottheitenyoga mit Mantra und Ritual. Es kann manchmal zu einem Energiestau im Kopf kommen. Abhilfe erfolgt durch Rückleitung der Energie nach unten, Verteilung im ganzen Körper, Erdung, generelle Körperübungen, Massage. Paare sollten sich unbedingt Zeit für Zärtlichkeiten und Massage nehmen, Berührungen sollten sich nicht nur zum Aufbau von sexueller Erregung dienen. Sexuelles Tantra und sexuelle Magie erfordert viel Zeit miteinander, um die Energie bewusst aufzubauen und ausklingen zu lassen. Männer haben häufig Angst vor dem leichten Druck- und Schmerzgefühl, welches sich am Anfang des Übens von Anhalten und Umkehr im Unterleib, vor allem in den Hoden, bilden kann, dem befürchteten "Samenstau". In Wirklichkeit staut sich kein Samen, das Gefühl hat etwas mit der Erweiterung der Blutgefässe zu tun. Abhilfe schafft sanfte Massage (während dessen kann der Mann die Energie im Zentralkanal hochziehen). Jedenfalls ist die Praxis medizinisch unbedenklich, sie ist in hinduistischen, buddhistischen und taoistischen Kreisen seit Jahrhunderten weit verbreitet, trotzdem sollte man alles vernünftig beobachten und mit längeren Perioden des Anhaltens (länger als sechs Monate) vorsichtig umgehen. Nach einiger Zeit der Praxis bleibt das Druckgefühl oft aus oder zeigt sich nur schwach, außerdem geht häufig das Bedürfnis nach Ejakulation von selbst zurück. Bei Frauen scheint es einerseits weniger problematisch zu sein, die Übung durchzuführen, andererseits wird der selten zugelassene Orgasmus mit Herauslassen des Sekrets häufig nicht als so kraftraubend empfunden, wie das bei Männern (nach einiger Übungszeit) oft der Fall ist. Wie im ganzen Bereich des Umgangs mit der sexuellen Energie gibt es sehr viele individuelle Faktoren und wenig stets gültige Regeln, man muss vieles selbst heraus finden.

15. Der Khatvanga-Stab mancher buddhistischer tantrischer Gottheiten, der Dreizack der Anhänger Shivas, der Caduceus genannte Stab des Hermes und viele ähnliche Symbole stellen die Energie dar, die nur durch die Aktivierung des Zentralkanals und Anhalten und Umkehr gewonnen wird.

So seien die Adepten der hohen Kunst gerüstet mit dem geheimen Stab, der im Abgrund wurzelt und über die Himmel hinaus geht.



Inhaltsverzeichnis Texte