Ausbildung Vidyadhara Tantra
Teilnahmevoraussetzungen sind das Beherrschen der deutschen Sprache, die Fähigkeit, englische tantrische Literatur zu lesen (da viele Texte nur in englischen Übersetzungen vorliegen), ein Internetanschluss und die finanzielle bzw. organisatorische Möglichkeit, zum Einstieg in das Seminar und danach etwa einmal im Jahr zu einem Präsenzseminar zu reisen, diese Seminare finden im ganzen deutschsprachigem Raum statt.
Die Ausbildung erfolgt in drei Zyklen, man kann jederzeit unterbrechen oder ganz aussteigen, es gibt keinerlei Bindungen an Personen, Traditionen und für wahr gehaltene Konzepte. Die mündlichen Instruktionen enthalten immer Teile, welche an die individuellen Gegebenheiten der Studierenden angepasst werden, die Vorgehensweise ist nur für Personen geeignet, die autonom, kritisch und kreativ mit bewusstseinserweiternden Methoden umgehen wollen, sie ist definitiv ungeeignet für Leute, die nur darauf warten, dass ihnen jemand sagt, was sie tun und was sie lassen sollen, um "dem authentischen Dharma zu folgen".
Es gibt zwei Studien- und Praxisprogramme, die auch gleichzeitig absolviert werden können:
Programm "Buddhistisches Tantra und erotische Gnosis":

Zyklus Eins: Die Dakini Kurukulla (Bild)
Kurukulla war ursprünglich eine Liebesgöttin aus dem hinduistischen Tantra, im buddhistischen Kontext führt sie zum Erlangen der so genannten magischen roten Buddha-Aktivität des Magnetisierens und Kontrollierens. In der Praxis bedeutet das eine Steigerung des Charismas und der Durchsetzungsfähigkeit,
in der fortgeschrittenen Phase manifestieren sich "verzaubernde" Siddhis.
Erzeugungsphase mit Visualisation und Mantra, Vollendungsphase (Zentralkanal und Chakras) und Auflösungsphase (Dzogchen).
John Reynolds über Kurukulla (E)

Zyklus Zwei: Der Yidam Hevajra (Bild)
Es handelt sich um eine Gottheit in sexueller Vereinigung, die von acht oder fünfzehn Dakinis umgeben ist. Die Praxis führt zum Erlangen aller Siddhis der vier magischen Buddha-Aktivitäten sowie besonders zur Nutzung aller sexuellen Wünsche als Antriebsmittel zur Befreiung. Das Wurzeltantra zu Hevajra ist vollständig übersetzt, und kann von den Übenden daher leicht erforscht werden. Hevajra bildet den Inhalt eines langfristig angelegten Projekts, welches auch unabhängig von dieser Ausbildung absolviert werden kann:
Hevajra Projekt
Zyklus Drei: Der Guru Padmasambhava
Bezieht sich auf Padmasambhava, einen der wesentlichen Schöpfer des tantrischen Buddhismus, seine acht Erscheinungsformen (von denen jede für einen bestimmten Teil der Lehren zuständig ist), und weitere Formen des Guru Yoga. Dadurch wird auch die Fähigkeit erlangt, autonom die Tantras zu erforschen und anzuwenden.
Programm "Buddhistisches Tantra und magische Kräfte":

Zyklus Eins: Die Dakini Simhamuka (Bild)
Die löwenköpfige Dakini Simhamukha ist eine zornvolle, dunkle, hexenhafte, extrem dynamische weibliche Figur, sie deckt verborgene Zusammenhänge auf,
demaskiert Täuschungen, bereinigt vertracktes Karma, löst Schuldgefühle auf und kehrt Flüche um. Simhamukha war unter den tantrischen Zauberern Nordindiens eine sehr beliebte, meistens auch sehr geheim gehaltene Praxis.
Erzeugungsphase mit Visualisation und Mantra, Vollendungsphase (Zentralkanal und Chakras) und Auflösungsphase (Dzogchen).
John Reynolds über Simhamuka (E)

Zyklus Zwei: Der Yidam Vajrakila (Bild)
Vajrakila ist ein zornvoller Yidam, der mit dem magischen Dolch (Kila) die Dämonen unterwirft. Er wird für eine breite Palette von Anwendungen benutzt.
Dämonen können eigene Angewohnheiten und Konzepte sein, welche die Erkenntnis der Nondualität verhindern, aber auch Geister im weitesten Sinn des Wortes,
störende Manifestationen jeder Art. Es gibt vier Arten von Vajrakila, die ersten drei entsprechen der Erzeugungs-, Vollendungs- und Auflösungsphase,
die vierte, die "Riten des materiellen Kila" dienen zum Zerstören konkreter äußerer und innerer Hindernisse. Zu Vajrakila existiert ein alter, sehr ausführlicher Kommentar in englischer Übersetzung.
Mehr zu Vajrakila
Zyklus Drei: Der Guru Padmasambhava
Ident mit dem Zyklus Drei im Programm "Buddhistisches Tantra und erotische Gnosis"
Übende, die das tibetische System kennen, wird es wahrscheinlich verwundern, dass der Guru erst am Schluss kommt, aber ich habe gute Gründe für dieses Vorgehen. Guru Yoga bezieht sich in diesem System NICHT auf eine lebende Person, sondern auf das allgemeine Prinzip des Guru, das lenkende, lehrende, leitende Prinzip, welches auf der Erfahrung der innersten Natur des eigenen, individuellen Bewusstseins beruht. Damit das auf keinen Fall verwechselt wird mit der Projektion der eigenen Hoffnungen in eine andere Person, steht in diesem System Guru Yoga am Schluss, nicht am Beginn, es handelt sich tatsächlich um eine fortgeschrittene Praxis.
Mit den Praktiken der "Drei Wurzeln", nämlich Guru, Deva, Dakini (tib. Lama, Yidam, Khandro), die alle drei in der Art des inneren Tantra geübt werden (also als Selbst-Identifikation, nicht als dualistische Verehrung) sind nach den Lehren der ursprünglichen indischen buddhistischen tantrischen Tradition alle Methoden-Aspekte vollständig abgedeckt, dazu kommt noch der stets parallel geübte Weisheitsaspekt, die Auflösungsphase, Mahamudra bzw. Dzogchen. Zum Guru Yoga Zyklus gehören noch weitere Aspekte der Lehren, die nicht zu den drei Wurzeln zugeordnet werden, z. B. die Praxis der Dharmapalas (Beschützer der Lehren) sowie die Arbeit an einer anspruchsvollen Literaturliste.
Die beiden Yidam-Zyklen Hevajra und Vajrakila wurden auch deswegen ausgewählt, weil sie in Übersetzungen gut dokumentiert sind. Es gibt hunderte von Yidam-Praktiken im tantrischen Buddhismus, aber viele Grundtexte dazu sind nur in Sanskrit oder Tibetisch zugänglich.
Es ist möglich, zuerst mit dem Zyklus Zwei (Yidam) zu beginnen und den Zyklus Eins (Dakini) später nachzuholen, das ist für viele Übende praktikabel, die schon einige Erfahrung im Vajrayana haben. Der Guru-Zyklus kommt in jedem Fall am Schluss.
Ebenso ist es möglich, die Dakini aus einem der beiden Programme zu entnehmen und den Yidam aus dem anderen, darüber hinaus sind noch weitere Möglichkeiten denkbar, die hier nicht alle aufgelistet werden können.
Ich stelle mit gutem Grund die Dakini-Praxis an den Anfang. Dakinis sind eingesichtige zweiarmige Formen, die sich viel mehr für den Anfang eignen als die mehrgesichtigen und mehrarmigen Yidam Gottheiten, die von einem Mandala weiterer Gottheiten umgeben sind. Dakinis sind kommunikativ, sie eigenen sich besonders dazu, die Ebene von erotischen Beziehungen, Familie und Beruf spirituell zu transformieren - genau das, wovon im mönchischen tibetischen System nie die Rede ist. Da es wenig leicht zugängliche korrekte Information über die Dakinis gibt, habe ich dazu einen einführenden Artikel verfasst:
Dakini
Die oben erwähnten Artikel von John Reynolds über die Dakinis gibt es auch
in deutsch.
Anfragen zum Einstieg in dieses Seminar und Anmeldung
per Mail, bitte dabei um eine kurze Beschreibung der bisherigen Studien und Praktiken im Bereich Tantra, Yoga, Meditation. Die Einweihungen, welche bei jedem der drei Teile erforderlich sind, werden unter vier Augen, in Kleingruppen oder etwa einmal im Jahr am Beginn eines siebentägigen Retreats gegeben (immer max. 25 Teilnehmerinnen), siehe dazu
Termine.
Kosten
Die Teilnahme an dem Seminar kostet generell 25,- pro Monat, Überweisung per Dauerauftrag. Zahlungen für ein ganzes Jahr im vorhinein sind willkommen, für ein Jahr 250,- (statt 300.-). Die Teilnahme kann jederzeit unterbrochen oder beendet werden, für nicht genutzte Zeiten geleistete Voraus-Zahlungen werden umstandslos refundiert.
Dazu kommen noch die Kosten für die drei Einweihungen in die drei Zyklen. Diese können hier nicht angegeben werden, weil sie davon abhängen, ob die Einweihung unter vier Augen, in einer Kleingruppe oder im Lauf eines Wochenendseminars oder siebentägigen Retreats erfolgt. Einweihungen unter vier Augen dauern eine halben Tag bis zwei Tage (Vajrakila), ich erwarte dafür 150,- bis 300,-. Was Hevajra betrifft, sind Einweihung und Instruktion für die 16-armige Vollform erforderlich, diese werden nur im Verlauf von siebentägigen Retreats gegeben. Die zweitägige Hevajra-Übertragung (Hevajra Stufe Eins, zweiarmige Form) reicht dafür nicht.
Eine Abhandlung über die Mahasiddhas:
Die Mahasiddhas - jenseits der Konvention
Die Ausbildung Vidyadhara Tantra beruht auf der nondualen Sichtweise von Dzogchen. Diese Sichtweise hat NICHTS mit religiösen Regeln, Moralvorstellungen oder irgendwelchen Konzepten von höheren spirituellen Wahrheiten zu tun. Die Teilnehmerinnen an dieser Ausbildung können sich jeden Tag frei entscheiden, ob sie praktizieren, was sie praktizieren, ob und welche Regeln sie einhalten wollen, es gibt keine Gelübde, Bindungen und Abhängigkeiten jeder Art. Das Ziel ist Freiheit und die Methode ist Freiheit!
Selbstverständlich können alle Teilnehmerinnen an dieser Ausbildung zu tibetischen oder anderen spirituellen Meistern hingehen, wann immer sie wollen. Die sektiererische Einstellung bestimmter Meister, die ihre Schüler davon abhalten, zu anderen Lehrern hinzugehen, ist ein Missbrauch der Lehren.
Das Seminar besteht seit Anfang 2009, knüpft aber an die Erfahrungen der 1995-2008 bestehenden Nyingma Gruppe Österreich an, insbesonders an die von dieser Gruppe veranstalteten einwöchigen Retreats mit der nachfolgenden Betreuung der Teilnehmerinnen.
Gruppen-Überblick
Hevajra Projekt
Hevajra Gruppe Wien
Vidyadhara Tantra