Anuttara Kula I - Ziele und Methoden
Der magisch-tantrische Orden Anuttara Kula wurde zum Frühlings-Äquinoktium 2006 e. v. von mir,
Helmut Poller, gegründet. Ich wurde dazu nicht von einem Menschen noch von einer sogenannten höheren Intelligenz (Gottheit, Engel, Dämon ...) beauftragt, sondern ich habe nach sehr langer und reiflicher Überlegung beschlossen, meine Ideen und Erfahrungen, die ich in dreißig Jahren magischer und tantrischer Praxis erworben habe, in systematischer Form weiter zu geben.
Ich halte mich weder für erleuchtet, befreit, im Besitz einer höheren Wahrheit befindlich noch sonst für etwas besonders, etwa einen Propheten eines neuen Zeitalters oder ähnliches mehr, sondern ich habe nur verschiedene Dinge geübt und damit auch Resultate erzielt.
(Wer über diese Feststellungen schmunzelt, möge sich zum Vergleich die Entstehungslegenden einiger magischer Orden ansehen).
Mein Ansatz ist a-religiös, ohne Mystifikationen, pragmatisch, wissenschaftlich. Den ursprünglichen tantrischen Buddhismus, dem ich viele Einsichten zu verdanken habe, halte ich nicht für eine Religion, meine Ansichten dazu haben mit dem, was im Inneren tibetisch-buddhistischer Klöster heutzutage im allgemeinen geschieht, wenig bis nichts zu tun.
Ich habe einige Zeit in verschiedenen magischen und tantrischen Organisationen zugebracht, ich sehe das meiste, was ich dort erfahren habe, mit sehr kritischen Augen, diese Kritik fließt auch in die Konstruktion des A.K. ein.
Im folgenden gebe ich eine summarische Darstellung der tragenden Komponenten in der Praxis des A.K., ausführliche Darlegungen zu diesem Themen werden noch folgen, einige wenige stehen in der
Abteilung Texte auf dieser Webseite, meine vom tibetischen Mainstream-Buddhismus doch etwas abweichenden Ansichten sind
in der
Text-Abteilung meiner buddhistischen Webseite zart angedeutet.
Wofür steht der magisch-tantrische Orden Anuttara Kula?
Traditionsunabhängige nonduale Meditation:
Die Natur des menschlichen Bewusstseins ist nondual, diese Natur wird in den stufenlosen Lehren des Buddhismus (Zen, Mahamudra, Dzogchen) genauso erfasst wie in bestimmten Strömungen des hinduistischen Tantra, ebenso in der Mystik des Taoismus, letztlich sogar in der Sichtweise der Quantenphysik und der akademisch-wissenschaftlichen Betrachtung des Bewusstseins (Cognitive Science). Keine Religion, kein Kult und kein Orden hat den Weg zur Erkenntnis der Natur des Bewusstseins für sich gepachtet, also spricht wohl nichts dagegen und vieles dafür, sich unabhängig von Traditionen auf die Suche nach den Geheimnissen des Geistes zu begeben.
Traditionsunabhängiges tantrisches Gottheitenyoga:
Bei Buddhisten, Hindus und Bonpo-Übenden (tibetisches nicht-buddhistisches System) werden die Praktiken des Gottheitenyoga innerhalb eines mehr oder minder autoritären Systems (=Tradition, Überlieferungslinie) weiter gegeben und geübt, dieses System hat aber sehr viele Nachteile und ist im Lauf der Jahrhunderte immer stärker degeneriert. Die Menschen, welche vor tausend Jahren und noch länger zurück die Tantras entwickelt haben, waren spirituelle Genies und mächtig in der Verwirklichung von Siddhis, sie hatten nur wenige Schüler und bewegten sich außerhalb jeglicher Institutionen, nicht korrumpiert von weltlicher Macht. Die Verhältnisse in der tibetischen Tradition unterschieden sich davon grundlegend, der Kontakt mit dem Westen hat die Situation nur noch weiter verschlimmert, der sektiererische Personenkult mit Lamas mit tausenden Schülern oder Einweihungen ohne Praxisinstruktionen haben mit der Mund-zu-Ohr Geheimlehre der tantrischen Überlieferung nichts mehr zu tun.
Den eigentlichen Sinn und Inhalt der Tantras neu zu entdecken und in der von Ökonomie und Naturwissenschaft gesteuerten Kultur des 21. Jahrhunderts erfolgreich anzuwenden wird nicht gelingen, indem man in ein mittelalterliches autoritäres System eintritt, wie es zum Beispiel von tibetischen Vajra-Meistern häufig noch gepflegt wird. Anwenden der tantrischen Lehren bedeutet eben nicht, nur noch Mantras murmelnd im Dauerretreat hinter den sieben Bergen leben zu können, es bedeutet die vollständige INTEGRATION der Lehrern in diese Welt.
Wiederbelebung von Zos Kia:
Diese vom englischen Künstler und Magier Austin Osman Spare entwickelte oder wieder entdeckte ursprüngliche (nämlich gott- und religionsfreie) Zauberkunst gehört zu den wenigen sich derzeit manifestierenden Möglichkeiten des magischen Handelns, die nicht auf den zahlreichen Irrtümern der monotheistischen magischen Systeme beruhen.
Austin Osman Spare, 1886-1956 (Wiki)
Chaosmagie:
Chaosmagie kann man sehr grob gesprochen sehen als magische Praxis, die nicht von höheren spirituellen Wahrheiten ausgeht und die je nach Erfordernis verschiedene Weltbilder annehmen kann (Willkürlicher Glaube). Die Bücher und Rituale der Chaosmagier, speziell die von Peter Carroll, dem Gründer des chaosmagischen Ordens IOT, sind von großem Wert, doch der A.K. definiert sich nicht als chaosmagisch, sondern betrachtet die chaosmagische Literatur als eine Quelle brauchbarer Methoden.
Wissenschaftliche Herangehensweise:
Innerhalb des A.K. werden magische und tantrische Überlieferungen als das betrachtet, was sie sind: Als Texte, die von Menschen aus Fleisch und Blut mit menschlichen Interessen geschrieben wurden, und die daher historisch-kritisch zu lesen sind und nicht als sakrosankte Offenbarungen. Das mindert den Wert und die vielschichtige Genialität mancher Texte keineswegs, sondern eröffnet im Gegenteil neue Möglichkeiten der Anwendung.
Liebe und Erotik:
Der A. K. versucht einen möglichst unverkrampften und freien Ausdruck der Sexualität zu fördern. In den tantrischen Traditionen, speziell der tibetisch-buddhistischen, kann davon leider keine Rede sein, zwischen den Extremen der Unterdrückung durch die zölibatäre Mönchskultur und der Benutzung als reines Machtmittel durch tibetische nicht-zölibatäre tantrische Meister, die Frauen nicht als ebenbürtige Partnerinnen behandeln können und wollen, gibt es kaum Freiraum.
Einer der entscheidenden Punkte jedes spirituellen Systems ist der Umgang mit der sexuellen Energie. Das tibetische System versagt dabei, weil es überhaupt keinen freien Ausdruck zulässt, die Sexualität ist in gesellschaftlichen Zwängen und einer frauendiskrimierenden Interpretation der Tantras gefangen. Was das echte Hindu-Tantra betrifft, welches größtenteils nur von Indern geübt wird, ist festzustellen, dass von der alten indischen erotischen Kultur nichts mehr zu finden ist. Es herrschen patriarchalische Strukturen, Verklemmtheit und Prüderie, arrangierte Ehen, angstfrei gelebte und ausgedrückte Sexualität ist im Mutterland der Tantras kaum zu finden.
Die Verwendung der sexuellen Energie für magische oder tantrische Zwecke ist natürlich nur möglich, wenn die normale Ebene der Erotik gemeistert wurde.
Bemerkungen zur erotischen Thematik in der tibetischen Tradition sowie zu allgemeinen Problemen der Übertragung dieser Lehren im Westen.
Entwicklung:
Im Sinne des bis jetzt Gesagten zielt der A.K. auf Entwicklung und Forschung ab, der Vereinigung von Wissenschaft, westlicher und östlicher Tradition, Magie und Mystik.
Erklärung des Namens Anuttara Kula:
Anuttara bedeutet unübertroffen. Der Ausdruck taucht im Frühbuddhismus auf, "Anuttara Samyak Sambodhi", vereinfacht übersetzt als "unübertroffene vollkommene Erleuchtung" (des Buddha), in unserem Zusammenhang wichtiger ist die Bezeichnung der höchsten (buddhistischen) Tantraklasse als "Anuttara". Natürlich ist es gefährlich, etwas als unübertroffen oder unübertreffbar zu bezeichnen, in diesem Fall ist es aber so gemeint: Die Anuttara-Abteilung der Lehren ist die letzte, es kommt nichts mehr danach. Die Anuttara-Sichtweise, in Wirklichkeit völlig ident mit der Sichtweise der Nondualität, kann per definitionem nicht übertroffen werden, es ist eben die höchste, welche die Dinge ihrer Natur nach erkennt.
Wir denken, es gibt ein höheres Bewusstsein, welches vorläufig (!) nur schwer übertroffen werden kann, und eben dort wollen wir hin.
(
Hier eine einfache und
hier eine weniger einfache Einführung in das buddhistische Anuttara-Tantra).
Anuttara steht auch im Hindu-Tantra für die Beschreibung des nondualen Zustands von Shiva, es handelt sich von der Erfahrung her um Nondualität, Advaita, der zentrale Erleuchtungs-Begriff im Vijnana Bhairava Tantra (einem typischen Text des shivaitischen Tantra).
Kula bedeutet Familie oder Clan, also nicht unbedingt Blutsverwandtschaft. Im buddhistischen Tantra ist oft von den fünf Buddhafamilien (Panca Kula) als Wurzel aller Gottheiten-Mandalas die Rede, auch dieser Begriff taucht im Hindu-Tantra auf, als Bezeichnung für Übende des gleichen "Clans" (der gleichen Gottheit) oder als Emanationen oder Erscheinungsformen einer Gottheit, z. B. von Kali.
Anuttara Kula steht für eine Gemeinschaft von Übenden, die nach der höchsten Bewusstheit streben.
So möge es sein.
Weiteres zur Aufnahme, Gradstruktur A. K.
Gruppen-Überblick Arbeitskreis Erotische Gnosis
Anuttara Kula I Anuttara Kula II
Anuttara Kula III